kleine Materialkunde
Dass "handgestrickte Kleidung kratzt!", ist ein oft gehörtes Vorurteil über Handarbeitsstücke aus Wolle und Garnen. Ich höre das von vielen Menschen, die dabei dicke grobe Pullover aus Kindheitstagen, die von einer Tante oder Oma gestrickt wurden, in schlechter Erinnerung haben und daher alles Selbstgemachte aus Wolle ablehnen.
Doch das muß nicht sein, wenn man ein wenig Wissen über Materialien hat und gezielter in der heute gigantischen Auswahl wählen kann.
Grundsätzlich bezeichnen wir alle Pflanzenfasern als Garne, zum Beispiel Baumwolle, Viskose, Lyocell (oft wird synonym der Markenname Tencel genannt), Leinen, Bambusfasern, Hanf, Ramie....
Diese Materialien, deren Eigenschaften und Haptik, sind den meisten aus der Mode- und Textilindustrie bekannt und sehr vertraut. Qualitätsmerkmale sind die Verarbeitung, ob aus ökologischem und nachhaltigem Anbau, Feinheit, Herkunft, chemische Behandlung u.s.w.
Wolle nennt man alle Tierfasern, z.B. Merino (Schaf), Alpaka (Kamel), Yak (Rind), Angora (Kaninchen), Kaschmir (Ziege), u.s.w.
So wie unsere Haare, besteht auch Tierhaar aus Keratin und feinen Schuppen, unterscheidet sich jedoch sehr in Länge und Durchmesser, was auch die stark unterschiedliche Feinheit begründet.
Die sicherste Methode, um eine für sich passende und angenehme Wahl zu treffen, ist der direkte Hautkontakt, also einfach in die Wolle zu greifen, sie über die Innenseite des Unterarmes oder an den Hals zu streichen und nur "fühlen".
Im Zeitalter des Online-Handels ist dies nicht immer möglich, daher kann man sich an objektiven Kriterien orientieren.
Micron - die Einheit für Wollfasern
Ein Micron ist ein tausendstel Millimeter und wird als Einheit verwendet, um die Feinheit von Fasern anzugeben.
Je kleiner die Micronzahl einer Faser, desto feiner ist diese.
Meist wird jedoch nur ein Zusatz wie fein, extrafein oder ultrafein (vorrangig bei Wolle vom Merinoschaf) angegeben. Diese Attribute sind leider nicht bindend genormt, man kann sich aber ungefähr daran orientieren.
Schurwolle 25-38 Micron
fein 21-24 Micron
extrafein 17-21Micron
ultrafein <16 Micron
Zum Vergleich: das menschliche Haar hat 30-70 Micron.
Kaschmir, Kamel und Yak zählen auch zu den sehr feinen Fasern und ihr Durchmesser liegt in etwa im Bereich von 14-22 Micron. Diese Fasern werden oft auch als „Edelfasern“ bzw. „Edelwolle“ kategorisiert.
Selbstverständlich sind Wollfasern mit einem höheren Micronwert keineswegs „schlechter“.
Eine niedrigerer Feinheitsgrad (höhere Micronzahl) hat den Vorteil, dass diese Wolle robuster, abriebfester und dadurch langlebiger ist. Daher wird diese besonders für Socken und Jacken verwendet, oder Kleidung, die als äußere Schicht gegen Wind und Wetter dient. Aber sie ist dadurch auch gröber, kratzender und steifer.
Ebenfalls zu den Proteinfasern wie Tierwolle zählt auch Seide.
Seidengarn ist gekennzeichnet durch einen sehr weichen und glatten Griff, feinem Glanz, hoher Festigkeit und ausgezeichneten klimatisierenden Eigenschaften auf der Haut.
Mein persönlicher Fokus auf Garne und Wolle liegt in deren Haptik, Eigenschaften und Verträglichkeit für sehr empfindliche Haut, für Kinder und Babys sowie Menschen, die besondere Ansprüche, bedingt durch chronische Hauterkrankungen wie z.B. Schuppenflechte (Psoriasis), Neurodermitis usw., haben.
zu den Farben...
Ich färbe primär mit lichtechten Säure- und Reaktivfarben von Dharma und Jaquard. Alle Stränge werden von mir so fotografiert, dass die Farben so natürlich wie möglich erscheinen. Die Fotos werden in der Regel nicht bearbeitet, variieren aber je nach Lichteinfall, ob Tages- oder Kunstlicht und es kann natürlich auch aufgrund unterschiedlicher Monitoreinstellungen zu Abweichungen kommen. Besteht Unsicherheit mit der Farbe, so kannst du mich gerne kontaktieren. Ich färbe natürlich auch deine "Wunschfarbe". Hier bitte ich nur um eine genaue Beschreibung (wenn es keine aus meiner Farbpalette ist) - am besten, man bespricht es auch persönlich telefonisch..... denn Grün ist nicht gleich Grün :-)
Bitte beachte vor allem bei semisoliden Strängen, dass handgefärbte Wolle nicht mit industriell gefärbter Wolle gleichzusetzen ist! Es werden immer - wenn auch nur kleine - Farbunterschiede bei den einzelnen Strängen vorhanden sein. Dies ist somit kein Reklamationsgrund, sondern macht gerade den Reiz handgefärbter Wolle aus.
Wird z.B. ein Pullover gestrickt und das Farbbild soll dennoch durchgehend möglichst gleichmäßig erscheinen, so empfehle ich, mit mehreren Strängen gleichzeitig zu stricken. So kann man Farbunterschiede umgehen.
Nach dem Färben wird jeder Strang ausgiebig gespült und kommt danach im ein mildes Schaumbad. Dennoch kann das Garn bei den nächsten Wäschen noch etwas ausbluten (dies ist meist bei Pflanzenfasern der Fall, wie zB. Baumwolle, Leinen. Tencel, usw.), was der Qualität und Brillanz aber nicht schadet. Daher empfehle ich nach dem Verarbeiten das Strick- oder Häkelstück separat per Hand zu waschen, damit es nicht zu Verfärbungen anderer Wäschestücke kommt.